1. Home
  2. Allgemeine Hygiene
  3. Einsatz Einmalhandschuhe (unsteril)

Einsatz Einmalhandschuhe (unsteril)

Darf man unsterile Einmalhandschuhe desinfizieren und weiterverwenden? Falls ja, was muss man beachten, um nosokomiale Infektionen zu vermeiden und Mitarbeiter vor potentiell infektiösen Materialien zu schützen?

Zum Einsatz im medizinischen Bereich müssen die Anforderungen an Einmalhandschuhe durch die DIN Norm EN 455 erfüllt sein.

Indikationsgerechter Einsatz von Einmalhandschuhen

Der Einsatz von Einmalhandschuhen ist im Arbeitsalltag und in den Arbeitsanweisungen zu prüfen. Ein nicht-indikationsgerechter Einsatz dient nicht dem Schutz des Patienten vor Infektionen. Einmalhandschuhe vermitteln oftmals eine Scheinsicherheit und bergen die Gefahr der Keimübertragung.

Einmalhandschuhdesinfektion

Sofern die regulatorischen Vorgaben der KRINKO „Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens“ erfüllt sind, kann eine patientenbezogene Einmalhandschuhdesinfektion durchgeführt werden.

Schulung der Mitarbeiter

Zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen und zum Schutz der Mitarbeiter vor potentiell infektiösen Materialien sind die Mitarbeiter regelmäßig in der Umsetzung der Händehygiene nach den 5 Momenten der Händehygiene und des indikationsgerechten Einsatzes von Einmalhandschuhen zu schulen.

Hygienische Aspekte

Einmalhandschuhe dienen lt. TRBA 250 zum Schutz der Mitarbeiter vor potentiell infektiösem Material und/oder bei Vorliegen von Erregern mit hoher Virulenz.

Um eine potentielle Gefahr der Keimtransmission durch Einmalhandschuhe zu minimieren, sind folgende Punkte einzuhalten:

  • Spritzwasser- und kontaktgeschützte Lagerung der offenen Verpackungen (keine Stapelung, Wandhalterungen bevorzugen)
  • Entnahme erfolgt nur mit desinfizierten Händen
  • Handschuhe sind an den Stulpen zu entnehmen
  • Prüfung der Handschuhe auf Läsionen
  • Kontaminierte Handschuhe sind direkt zu entsorgen und anschließend ist eine Händedesinfektion durchzuführen.
  • Zuviel entnommene Handschuhe nicht zurückstecken
  • Bevorratung von Einmalhandschuhen in der Kitteltasche ist unzulässig

Indikationsgerechter Einsatz von Einmalhandschuhen

Tätigkeiten im direkten und indirekten Patientenkontakt wurden definiert. Sofern keine potentielle Gefahr für den Mitarbeiter oder den Patienten besteht, ist die Durchführung einer hygienischen Händedesinfektion ausreichend.

Ökologische Optimierung

  • Minimierung des Verbrauchs durch indikationsgerechten Einsatz
  • Einsatz und Bezug von Einmalhandschuhe aus nachhaltigen Materialien und aus europäischer Produktion
  • Angepasste Verpackungsgrößen / Minimierung der Verbrauchsmenge, weniger Inhalt begünstig eine leichtere Entnahme und somit einen geringeren Verwurf
  • Hygienisch angepasste Entnahmesysteme mit einer Einzelentnahme an der Stulpe, z.B. aus einer Flowpack Verpackung (verschließ- und desinfizierbar)

Einmalhandschuhdesinfektion

Voraussetzung zur Durchführung ist der Einsatz von Einmalhandschuhen mit der DIN EN 374. Desweiteren sind die Vorgaben der KRINKO einzuhalten.

  • Nur ein patientenbezogener Einsatz
  • Definierte Arbeitsabläufe, welche einen häufigen Handschuhwechsel erfordern. (An- und Abschluss zur Dialysebehandlung)
  • Handschuhdesinfektion erfolgt immer nach den Kriterien der 5 Momente der Händehygiene
  • Perforierte und kontaminierte Handschuhe sind zu entsorgen und eine anschließende Händedesinfektion ist durchzuführen
  • Max. Tragezeit 15 min.; max. 5 Desinfektionen

Schulung der Mitarbeiter, Vorraussetzung für eine Desinfektion

Indikationen zum Einsatz von Einmalhandschuhen bzw. der Einmalhandschuhdesinfektion wurden definiert und die Mitarbeiter werden entsprechend jährlich geschult. Die Arbeitsanweisungen wurden angepasst und die Abläufe sind im Hygieneplan dokumentiert.

Weiterführende Informationen zur Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und Händehygiene in der Medizin

Leitline für angewandte Hygiene in der Dialyse, 4. Auflage

In der Leitlinie findet man weitere Informationen in den Kapiteln 7.1 Personalhygiene, 7.1.1 Händehygiene, 7.1.4 Persönliche Schutzausrüstung, 7.1.4.2 Einmalhandschuhe

Die Leitlinie kann hier erworben werden.

5 Momente der Händehygiene

Die 5 Momente der Händehygiene werden über die Aktion Saubere Hände propagiert.
Ein Schulungsvideo zur aseptischen Tätigkeit am Dialysepatienten gibt es hier.

Robert Koch-Institut

Die Empfehlungen Hände­hygiene in Ein­rich­tungen des Gesund­heits­wesens sind auf der Website des RKI veröffentlicht (siehe v.a. Tab. 2 „Typische Situationen mit Indikationen für die hygienische Händedesinfektion“). (PDF, 651KB, Datei ist nicht barrierefrei)

Ein Kommentar zum Indikationsgerechten Einsatz medizinischer Einmalhandschuhe im Gesundheitswesen kann im Epidemiologischen Bulletin, Ausgabe 10/2024, Seite 3 ff. eingesehen werden. (PDF, 3MB, Datei ist nicht barrierefrei)

Beispiele für Situationen, in denen das Tragen medizinischer Einmalhandschuhe indiziert ist:

Direkter Patientenkontakt
– Kontakt mit Blut, Schleimhäuten oder nicht intakter Haut (z. B. Versorgung blutender Wunden, Intubation, Untersuchung der Anogenitalregion)
– Blutentnahme (auch bei Lanzettenblutentnahme)
– Legen von Gefäßzugängen / periphervenösen Verweilkanülen (PVK) / Verabreichung von intravenösen (i. v.) Injektionen
– Manipulation an einem Gefäßzugang (in Anwesenheit von Blut)
– Endotracheales Absaugen (CAVE: für offene Systeme sterile Handschuhe)
– Notfallbehandlung (in „unklaren/ungeordneten Situationen“) in zentralen Notaufnahmen oder dem Rettungsdienst
Indirekter Patientenkontakt
– Umgang mit Ausscheidungen und Erbrochenem
– Untersuchung von nicht dekontaminierten Biomaterialien
– Umgang mit Medikamentenverneblern
– Beim Verwenden von Instrumenten, die potenziell mit Blut, Sekreten und Exkreten verschmutzt werden können (z. B. vaginale Ultraschallsonden, Endoskope)
– Bei der Aufbereitung von Instrumenten, die mit Blut, Sekreten oder Exkreten verschmutzt wurden (ggf. ist hier der Einsatz besonderer chemikalienbeständiger Handschuhe indiziert
Andere medizinische Tätigkeiten
Labortätigkeiten, z. B. mit potenziell infektiösen und/oder mit gentechnisch veränderten Materialien
Sonstige Tätigkeiten
– Reinigung / Desinfektion von mit Körperflüssigkeiten verschmutzten / kontaminierten Oberflächen und / oder Gegenständen
– Umgang mit medizinischen Abfällen, die mit Blut, Sekreten, Exkreten oder Erbrochenem verschmutzt sind
– Entsorgung von Abfallsäcken

Oberstes Ziel ist die Vermeidung von nosokomialen Infektionen und die Minimierung der Transmission von potentiell infektiösem Material.
Zum Patienten– und Mitarbeiterschutz ist die Schulung des Personals in Hinblick auf die 5 Momente der Händehygiene und die Definition der Indikationen zum Einsatz von Einmalhandschuhe vorrangig.
Das Einsparpotential von Einmalhandschuhen in Bezug auf einen indikationsgerechten Einsatz und der Einführung einer Einmalhandschuh-Desinfektion muss immer unter Einhaltung der o.g. Punkte erfolgen.
Sofern beim Einkauf von Einmalhandschuhen auf nachhaltige Materialien und europäische Produktion (80 % der in Deutschland genutzten Einmalhandschuhe werden aus Fernost importiert), sowie auf die Verpackungsgrößen und Entnahmesystem geachtet wird, kann wesentlich zur Reduzierung der CO2 Emission und der Abfallmengen beigetragen werden.
Als Zusatzeffekt können unter Umständen auch Hautirritationen vorgebeugt oder sogar vermieden werden.
Hinsichtlich der Kosten können derzeit keine Aussagen getroffen werden. Sicherlich wäre hier marktwirtschaftlich gesehen ein adäquates Preisniveau erzielbar.

Updated on 11. Mai 2025
Was this article helpful?

Related Articles