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Verbrauchsmaterial für die Therapie

Mit der Beschreibung „Verbrauchsmaterial für die Therapie“ werden Produkte verstanden, die in dem unmittelbaren Kontext der gerätetechnischen Therapie mit dem Gerät zusammen genutzt werden.

Typische Verbrauchsmaterialien sind bei der Hämodialyse:

  • Blutschlauchsystem
  • Dialysator
  • Konzentrate (Bi-Carbonat / Säure)
  • Desinfektionsmittel (Chemische- / Heißdesinfektion)
  • nicht implantierte Gefäßzugänge (Dialysekanülen)
  • Heparin-Spritzen
  • Endotoxin-Retentionsfilter

Typische Verbrauchmaterialien bei der Peritonealdialyse:

  • Beutel mit Dialysierflüssigkeit
  • Zu- und Überleitungssysteme

Mit der Auswahl der Dialysesysteme / Dialysemaschinen wird über die Nutzungsdauer /
Betriebszeit mitbestimmt bzw. ein Einfluss genommen, welchen Anteil das eingesetzte
Verbrauchsmaterial am Ressourcen- und Energieverbrauch hat.

Im Folgenden werden verschiedene einzelne Aspekte bei den Verbrauchsmaterialien diskutiert, welche eine besondere und differenzierte Beachtung finden sollten, wenn es um den Ressourcen- und Energieverbrauch geht.

Materialgewicht

Das Materialgewicht, respektive das Volumen des eingesetzten Verbrauchsmaterials, hat einen unmittelbaren Einfluss auf den Ressourcen- / Energieverbrauch:

  • für die Produktion
  • beim Transport
  • bei der Lagerung
  • bei der Entsorgung

Durch eine sachgerechte Materialauswahl im Zusammenhang mit einer zweckmäßigen und anwenderorientierten Produktgestaltung (Produktdesign) wäre es möglich, mit den Verbrauchsmaterialien einen Beitrag für die nachhaltigere Behandlung zu realisieren.
Material- und designoptimierte / standardisierte Produkte:

  • können einen positiven Einfluss auf die Ressourcen- und Energieverbräuche bei der Produktion nehmen,
  • führen zu einer verbesserten Ausnutzung von Transport- und Lagerressourcen (Volumen- und Massereduktion),
  • ermöglichen die Anwendung eines automatisierten (und hygienischen) Recyclingverfahren,
  • ermöglichen eine sortenreine Materialtrennung (reduzierter Material-Mix) zur Rückführung der eingesetzten Werkstoffe in den Materialkreislauf.

Der Einfluss des Anwenders auf das Materialgewicht kann eingeschränkt erfolgen, da ggf. die Produktauswahl auf Versionen mit geringerem Materialgewicht priorisiert werden, sofern die patientenindividuellen und medizinischen Bedingungen die nachhaltigere Produktauswahl zulässt.

Die Einsparpotentiale von Ressourcen und Energie beim Materialgewicht auszuschöpfen, ist die primäre Aufgabe der Hersteller der Produkte und sollte zwingend bei der Produktentwicklung / Produktpflege beachtet werden. Idealerweise sollten die Rückmeldungen vom Markt, speziell vom Anwender, bei der Produktentwicklung / -pflege berücksichtigt und beachtet werden.

Materialzusammensetzung

Durch die Beschränkung der eingesetzten Materialien bei den Produkten, d. h. Produkte mit einem minimierten Materialmix, ist es möglich, die Rückführung wertvoller Rohstoffe zu ermöglichen. In Kombination mit einem sinnvollen Produktdesign und einem automatisierbaren Recyclingverfahren ist dann eine sortenreine Rohstoffsammlung zu realisieren. Dadurch könnte recyceltes Material die Basis für die Herstellung neuer Verbrauchsmaterialien sein.

Ressourcen werden geschont durch:

  • standardisierten Materialmix (herstellerübergreifend),
  • standardisierter Produktgestaltung / Produktdesign (herstellerübergreifend),
  • standardisiertee Recyclingverfahren für eine hohe „Rohstoffgüte“ durch eine sortenreine Wertstoffsammlung,
  • Anpassung von Handlungsempfehlungen für den Anwender für eine sortenreine Materialsammlung (Stichworte: Hygienepläne, Hygienevorschriften, Arbeitsschutz, …)

Der Einfluss des Anwenders, eine Produktauswahl auf Basis einer nachhaltigen Materialzusammensetzung zu treffen, ist derzeit nur minimal umzusetzen, da neben den regulatorischen Anforderungen auch individuelle medizinische und therapeutische Vorgaben beachtet werden müssen und somit eine Auswahl von alternativen Produkten stark limitiert ist.

Eine hohe Rate der Wiederverwertung von Materialien und Rohstoffen (Kreislaufwirtschaft) würde eine große Schonung der Ressourcen darstellen. Die Voraussetzungen dafür zu schaffen, liegt in erster Linie bei den Herstellern. Ergänzend könnten die Arbeitsgruppen der Normenausschüsse entsprechende Vorgaben zum Materialeinsatz und Produktdesign erarbeiten und in den Standards festlegen, um somit die Grundlage für eine höhere Recyclingquote zu schaffen.
Die Anwender können durch die Auswahl von Produkten mit optimierter Materialzusammensetzung einen Beitrag zu Ressourcenschonung leisten.

Verpackungseinheiten

Aus Herstellersicht wäre eine optimierte Gestaltung der Verpackungseinheiten möglich, um die Logistik und Lagerung zu optimieren. Dabei sollten das in der Logistik weitverbreitete und standardisierte Transport- und Lagerungsequipment berücksichtigt werden. Stichworte dazu wären Standardcontainer, Europaletten, Rollcontainer, Regalsysteme uvm.
Eine optimierte und angemessene Verpackungsmengeneinheit (Größe / Masse / Anzahl) können die Prozesse beim Anwender positiv beeinflussen, insbesondere der Aspekt der Ergonomie.

Eine Bereitstellung der in der Routine genutzten Medizinprodukte in Form von Anwendungssets haben das Potenzial, die Prozesse ökonomisch und ökologisch positiv zu beeinflussen. Der ökologische Einfluss besteht darin, dass die eingesetzten Ressourcen für Verpackungsmaterial sparsamer eingesetzt werden können, da die aufwendigen Verpackungseinheiten der korrespondierenden Einzelprodukten wegfallen. Vorkonfigurierte und anwendungsspezifische Produkte können Einfluss auf einen reduzierten Materialeinsatz nehmen (z. B. Anstechflasche, Kanüle , Spritze vs. Fertigspritze mit Luer-Lock-Anschluss).

Der Anwender / Betreiber sollte stets prüfen, welche Verpackungsmengeneinheiten der Lieferant / Hersteller anbietet und dabei berücksichtigen, welche Verpackungsmengeneinheiten gesamtheitlich betrachtet für die standortspezifischen Anforderungen am besten geeignet sind. Im Weiteren sollte der Dialog mit dem Hersteller / dem Lieferanten der eingesetzten Medizinprodukte gesucht werden, um die Möglichkeit von spezifischen Anwendungssets zu diskutieren.

Mit der Auswahl einer geeigneten Verpackungseinheit oder Gebindegröße (Kanister, Container für die Zentrale-Konzentrat-Versorgung), sofern der Hersteller / der Lieferant diese Variationen anbietet, ist damit eine begrenzte Einflussnahme bezüglich der Nachhaltigkeit möglich und sollte genutzt werden.
Je nach Produktart existieren Limitierungen durch die regulatorischen Vorgaben, so dass nicht immer das Potential der optimierten Verpackungsmengeneinheiten vollumfänglich zur Ressourcenschonung genutzt werden kann.

Verpackungsmaterial

Das Verpackungsmaterial kann einen bedeuteten Einfluss auf die Schonung der Ressourcen nehmen und ein nachhaltiges Agieren fördern und unterstützen. Wichtig ist zu beachten, dass eine differenzierte Bewertung des Verpackungsmaterials der jeweiligen Verpackungsstufen erfolgt. Die Primärverpackungen der Medizinprodukte müssen in der Regel speziellen normativen und regulatorischen Vorgaben sowie den spezifischen Produkteigenschaften und Produktmerkmalen entsprechen.

Beispiel Sterilverpackungen, Verpackungen für Pulver oder Flüssigkeiten:
Die sekundär, tertiär etc. Verpackungsstufen (Umverpackungen / Transportverpackungen) müssen nachgelagerten Anforderungen, wie Transportschutz, Schutz vor Verunreinigungen, Temperatur, Feuchtigkeit etc. entsprechen und diesen Vorgaben Rechnung tragen.

Die Nutzung von nachhaltigen und / oder recycelten Verpackungsmaterialen bei den Primärverpackungen ist häufig wegen den notwendigen Qualitätsanforderungen limitiert. Dennoch sollte dann bei der Gestaltung der Verpackung berücksichtigt werden, dass das Verpackungsmaterial dem Materialkreislauf wieder zugeführt werden kann. Bei einem Materialmix sollte die Verpackung entsprechend gestaltet sein, damit eine sortenreine Trennung und Materialsammlung des Verpackungsmaterials erfolgen kann. Bei den höheren Verpackungsstufen – sekundär, tertiär Verpackungen ist der Einsatz von recyceltem Verpackungsmaterial und der Rückführung in den Materialkreislauf häufig möglich und sollte intensiv genutzt werden bzw. kurzfristig ausgebaut werden. Dabei ist auch zu beachten, dass eine sortenreine Trennung möglich und leicht anwendbar ist.

Der Hersteller der Medizinprodukte sollte eine sorgfältige Auswahl der Verpackungsmaterialen treffen:

  • Material muss zweckmäßig, sicher und zuverlässig sein
  • Nutzung von recycelten Rohstoffen, wenn möglich
  • Umsetzung einer einfachen Stofftrennung bei Materialmix für eine sortenreine Materialsammlung
  • Keine Stoffe / Hilfsstoffe einsetzen, die dem Recyclingprozess entgegenstehen oder diesen erschweren

Der Anwender sollte bei der Auswahl der Produkte die zuvor genannten Aspekte so weit wie möglich berücksichtigen. Im Weiteren können / sollten, die bereits bestehende Potentiale einer sortenreinen „Wertstoffsammlung“, wie z. B. Papier / Karton genutzt und umgesetzt werden. Es müssen aber zwingend die Aspekte der Hygiene, des Patientenschutz und insbesondere des Mitarbeiterschutz Beachtung finden. Eine sachgerechte Bewertung von „Aufwand und Nutzen“ zur Umsetzung der sortenreine Wertstoffsammlung im Behandlungsalltag muss erfolgen.

Die Hersteller und Lieferanten von Medizinprodukten sollten auf recycelte und sortenreine Rohstoffe für Verpackungsmaterialien zurückgreifen, um den Prozess des Materialkreislaufs zu unterstützen. Da Medizinprodukte einerseits zuverlässige Verpackungen benötigen, die Nutzungsdauer einer Verpackung andererseits insbesondere bei Verbrauchsmaterialien aber recht kurz ist, sollten diese Verpackungsmaterialien unbedingt dem Materialkreislauf zugeführt werden.

Produktionsorte / Lieferwege

Die realen Produktionsstandorte sind ein wichtiger Faktor bei der Betrachtung der Ressourcenschonung. Regionale Produktionsstandorte mit einer hohen Fertigungstiefe haben einen deutlichen positiven Einfluss auf die Nachhaltigkeit, insbesondere im Kontext der Logistik. Auch eine an die Ressourcenverfügbarkeit angepasste Fertigungsstrategie hätte einen positiven Einfluss auf den Ressourcenverbrauch, wie z. B. energieaufwendige Fertigungsschritte an einem Standort zu realisieren, an dem eine nachhaltige Energieversorgung bereitgestellt werden kann.

Bezüglich der Lieferwege sollte bei der Produktauswahl darauf geachtet werden, ob es möglich ist, die Beschaffung auf wenige Lieferanten zu fokussieren, damit Bestellungen logistisch optimiert ausgeliefert werden können.

Auch die Nutzung von Anwenderseits könnte einen positiven Einfluss auf die Lieferwege haben, da nur ein Produkt anstelle mehrerer einzelner Produkte geliefert werden (Hinweis: ebenfalls existiert ein positiver Einfluss auf die administrativen Kosten).

Die Beachtung der Produktionsorte und sowie der Aspekt der Lieferkette / Lieferwege kann primär bei Produkten Anwendung finden, die eigenständig verwendet werden können. Durch regulatorische und normative Vorgaben bei der Kombination von Medizinprodukten, ist die Produktauswahl auf Basis des Produktionsstandortes bzw. der Lieferwege meist an das führende Medizinprodukt (z. B. Dialysemaschine) gebunden.

Eine nachhaltige Produktauswahl unter der Berücksichtigung der realen Produktionsorte und / oder der Lieferwege ist mit den komplexen regulatorischen Vorgaben bei Medizinprodukten nicht möglich.
Auch vor dem Hintergrund, dass nur eine begrenzte Anzahl von Anbietern von Dialysesystemen existieren, ist eine Produktauswahl auf Basis von Produktionsorten und Lieferwege nicht zu realisieren.

Single-Use / Single-Patient-Use / Multi-Use

Eine reflektierte Betrachtung bezüglich der sogenannten „Einmalartikel“ könnte ergänzend zu der Optimierung des Materialkreislaufes einen positiven Einfluss auf Schonung von Ressourcen haben. Eine differenzierte Bewertung bezüglich des Potentials der Wiederverwendbarkeit der Produkte, die zum Einsatz kommen, sollte / muss erfolgen. Welche Medizinprodukte könnten (patientenbezogen) mehrfach genutzt und welche Produkte könnten wiederverwendet werden. Bei der Bewertung sind dabei unbedingt alle wichtigen Punkte, wie z. B. bezüglich Patienten- und Anwendersicherheit, Hygiene oder auch operative, organisatorische und administrative Prozesse, zu berücksichtigen.

Eine generische Bewertung wird im Allgemeinen nicht möglich sein, sondern es werden vermutlich standortspezifische Bewertungen erfolgen müssen. Daneben ist es zwingend erforderlich, dass die Hersteller und / oder Lieferanten sich der Verantwortung annehmen und sachgerechte sowie alltagstaugliche Produkte mit praxisorientierten Prozessen entwickeln und auch zeitnah anbieten. Wichtig dabei sind verbindliche Vorgaben / Anweisungen zur sachgerechten Handhabung und Aufbereitung der Produkte.

Aspekte die zu prüfen sind:

  • Existieren medizinische und / oder hygienische Gründe, so dass ausschließlich Einmalprodukte (Single-Use-Produkte) genutzt werden können?
  • Sind alternative (validierte) Produkte, die eine Mehrfach-Nutzung durch einen Patienten (Single-Patient-Use) ermöglichen, auf dem Markt verfügbar?
  • Werden alternative Produkte am Markt angeboten, die eine generelle Wiederverwendung bei verschiedenen Patienten (Multi-Use) ermöglichen?

Sofern Produkte für die Mehrfachnutzung (Single-Patient-Use) oder für die Wiederverwendung (Multi-Patient-Use) zum Einsatz kommen können, ist es zwingend zu berücksichtigen, dass für das eingesetzte Produkt ein vom Hersteller des Medizinproduktes vollständig validiertes Verfahren zur Aufbereitung zwecks Wiederverwendung (Single-Patient-Use / Multi-Use) existiert. Das validierte Aufbereitungsverfahren ist ein Bestandteil des Medizinproduktes im Rahmen seiner Zweckbestimmung. Das validierte Aufbereitungsverfahren muss ein Verfahren sein, das im Behandlungsalltag auch anwendbar ist.

Darüber hinaus müssen die Anforderungen der regulatorischen Vorgaben berücksichtigt werden und Anwendung finden.

Durch die Auswahl und den Einsatz von Produkten, die eine Mehrfachnutzung oder eine Wiederverwendung ermöglichen, ist es möglich wertvolle Ressourcen und Energie einzusparen sowie eine nachhaltige Nutzung der Produkte zu realisieren. Hier ist zu berücksichtigen, dass es oft an geeigneten Produkten für die Mehrfachnutzung / Wiederverwendung mit einem validen, sicheren und anwenderorientierten / anwenderfreundlichen hygienischen Aufbereitungsverfahren fehlt.

Updated on 12. Mai 2025
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